Das große Risiko von Überhydratation


29. Februar 2022

Das große Risiko von Überhydratation

Für viele Jahre, die bekannte Empfehlung bezüglich Flüssigkeitsversorgung im Wettkampf war „so früh wie möglich!“ – noch bevor das Durstgefühl einsetzt. So viel zu trinken, wie du nur kannst, um die Menge an verlorener Flüssigkeit durchs Schwitzen vollständig zu kompensieren.

Das Überhydratation ein Risiko birgt, das mindestens genauso gefährlich ist wie Dehydration, wurde nicht erwähnt. Genauer gesagt war die wissenschaftliche Basis noch nicht einmal gelegt.

Der ernstzunehmende medizinische Zustand, der durch Überhydratation entstehen kann, heißt Hyponatriämie. Er beschreibt eine zu geringe Natriumkonzentration im Blut. Auch wenn eine Hyponatriämie hauptsächlich bei Menschen mit Herz-, Nieren- und Lebererkrankungen auftreten, tritt dieser Zustand auch vermehrt bei Athlet*innen auf, die sich während dem Wettkampf inadäquat verpflegen.

Das liegt daran, dass viele ihren Schweißverlust immer noch ausschließlich mit Wasser substituieren, was fatale Folgen haben kann. Exzessives Trinken verdünnt die Natriumkonzentration im Blut noch mehr, als die durch das Schwitzen sowieso schon ist. Es ist eine weitverbreitete Strategie, weit vor dem Einsatz des Durstgefühls mit dem Trinken anzufangen – viele machen das auch schon aus Gewohnheit, was das Risiko einer Hyponatriämie natürlich stark erhöht. Nicht umsonst ist das Durstgefühl ein deutliches Körpersignal, das das Bedürfnis zu trinken anzeigt.

Symptome einer durch Sport ausgelösten Hyponatriämie sind:

  • Verminderte Leistungsfähigkeit
    • Dies passiert bereits bei sehr geringen Levels an Gewichtszunahme (durch Flüssigkeitszufuhr) und wird in erster Linie durch Anschwellung der Gehirnzellen oder einem erhöhten Druck im Gehirn ausgelöst, die die Gehirnfunktion einschränken.
  • Übelkeit und Erbrechen
    • Diese Art der Symptome resultieren entweder von einem erhöhten intrazerebralen Druck, der durch Gehirnschwellung oder der Präsenz von großen Mengen nicht-absorbierter Flüssigkeit im Magen-Darm-Trakt, oder einer Kombination aus beidem. Besonders das Erbrechen großer Mengen klarer Flüssigkeit (Wasser) tritt nur auf, wenn der Konsum exzessiv war. Ebenso verursacht das Vorhandensein von überschüssiger, nicht absorbierter Flüssigkeit im Darm das Gefühl, dass die Flüssigkeit im Darm herumschwappt. Beide Symptome können bei Dehydratation nicht auftreten, da bei Dehydratation der Gehalt an freiem Wasser im Darm reduziert ist.
  • Kopfschmerzen
    • Das ist eine Folge intrakraniellen (innerhalb des Schädels) Drucks, auch ausgelöst durch Gehirnschwelllungen in durch Sport ausgelöster Hyponatriämie. Weil Dehydration die Flüssigkeitsmenge im Gehirn reduziert, kann sie dieses Symptom auf diesem Weg nicht auslösen. Während Kopfschmerzen bei einer Hyponatriämie zu erwarten sind, gibt es keinen Grund, warum sie bei einer Dehydratation auftreten sollten. Kopfschmerzen werden nicht als häufiges Symptom bei Cholera genannt, der Krankheit, die beim Menschen am schnellsten zu einer tiefgreifenden und lebensbedrohlichen Dehydratation führt.
  • Verändertes Bewusstsein
    • Athlet*innen, die einem moderaten Level an Hyponatriämie leiden, werden mürrisch, müde und ziehen sich zurück; sie vermeiden soziale Interaktion, schließen ihre Augen und drehen sich vom Licht weg, weil ein photophobischer Zustand eintritt. Wenn sie direkt angesprochen werden, wirken sie verwirrt und abgestumpft; sie sind unfähig eine sinnvolle Konversation zu führen. Sie haben Schwierigkeiten sich zu konzentrieren und sprechen nur, wenn sie direkt angesprochen und nach etwas gefragt werden. Sie wirken als seien sie vergiftet worden oder hätten einen Sturz mit Gehirnerschütterung erlitten. Dreh- und Angelpunkt der Symptome von Patienten mit einer milden Hyponatriämie ist der Fakt, dass diese auf fast wundersame Weise in Minuten durch eine intravenöse hypertone (3-5%) Salzlösung verschwinden. Außerdem ist es wichtig zu erwähnen, dass diese Symptome nicht bei Patienten mit Dehydratation auftreten, es ist also unverwechselbar.
  • Krampfanfälle (Konvulsionen)
    • Eine deutliche Zunahme intrazerebralen Drucks löst dies aus. Weil Dehydratation den intrazerebralen Druck reduziert, kann sie die durch diesen Mechanismus nicht auslösen. Menschen, die sich in der Wüste verirrt haben und an Dehydratation leiden, entwickeln keine Krampfanfälle. Stattdessen werden sie verwirrt und fallen in ein Koma, höchstwahrscheinlich aufgrund einer progressiven Reduktion des Blutflussvolumens zum Gehirn in Verbindung mit der Anhäufung toxischer Substanzen im Blut infolge von Nieren- und Leberversagen. Bei milden Stufen von Dehydratation, auf die bei Ultramarathonläufer*innen und Ironmanathlet*innen gestoßen wurde, sind keine Leber- oder Nierenversagen festgestellt worden, somit werden Krampfanfälle nicht durch Dehydratation ausgelöst.
  • Blähungen und geschwollene Hände, Beine und Füße
    • Diese Veränderungen werden meist zuerst vom Partner, Freunden oder anderen Begleitpersonen bemerkt. Athlet*innen bemerken vielleicht, dass deren Uhrenband oder Wettkampfnummernband immer enger werden, je höher der Grad an Überhydratation wird. Bei Dehydratation geschieht das Gegenteil, Athlet*innen nehmen sichtlich an Gewicht ab – Uhr- und Wettkampfnummernbänder werden lockerer.
  • Muskelzellenverfall mit Entwicklung von akutem Nierenversagen
    • Auch wenn dies eher selten auftritt, haben Berichte und Studien die direkte Verbindung zwischen Überhydratation und Muskelzellenzerstörung mit Nierenversagen-Entwicklung bewiesen.

Folgende Symptome stehen nicht in Relation mit Dehydratation oder Hyponatriämie:

  • Schwindel und Ohnmacht
    • Beide dieser Symptome werden durch einen inadäquaten Blutfluss zum Gehirn, als Folge reduzierten Blutdrucks verursacht. Ein veränderter Blutfluss zum Gehirn kommt nicht in Zusammenhang mit milden Stufen von Hyponatriämie oder Dehydratation bei Ausdauerathlet*innen vor. Schwindel nach dem Sport ist auf eine Hyponatriämie zurückzuführen, die nichts mit dem Grad der Dehydrierung bei Sportlern zu tun hat, sondern durch eine gestörte Kreislaufregulierung bei plötzlicher Beendigung des Trainings verursacht wird.
  • Muskelkrämpfe
    • Hierbei handelt es sich um einen eigenständigen Zustand, der durch eine veränderte nervliche Steuerung der Muskeln verursacht wird und nicht auf Überwässerung, Dehydratation oder Natriummangel bei salzhaltigen Schwitzern zurückzuführen ist.
  • Keuchende Atmung
    • Dies ist ein Merkmal von Asthma oder ähnlichen Atemwegserkrankungen und hat nichts mit Überwässerung oder Dehydrierung zu tun. Sportler mit einem Lungenödem aufgrund einer Hyponatriämie können über Kurzatmigkeit klagen und einen blutigen Auswurf aushusten. Dehydrierung verursacht kein Lungenödem.

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